Ocubo

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Zentrales Thema in der gemeinsamen künstlerischen Arbeit von Nuno Maya und Carole Purnelle ist die gesellschaftliche Transformation im Zeichen der Digitalisierung und ihre soziokulturellen Implikationen. Sie gehören zu den Künstler/inne/n, die digitale Technologien nutzen, um neue Formen von Wahrnehmung und Weltaneignung ebenso wie von sozialer Interaktion und kulturellem Ausdruck zu fördern. Dazu realisieren sie reaktive Installationen, bei denen die konstruktive Handlung der Besucher/innen im konzeptionellen Mittelpunkt steht. Mit ihren digitalen Transformationen urbaner Vorgaben gelingt es Ocubo außeralltägliche Stadtansichten zu erzeugen, in denen der Mensch selbst als das zentrale Medium der künstlerischen Arbeit in Erscheinung tritt.

Mit Einsatz von Großbildprojektoren verändern Ocubo architektonische Strukturen öffentlicher Orte und zeigen diese als soziokulturelle Ereignisfelder. Ihre Arbeitsweise basiert dabei auf einem prozessorientierten Verständnis installativer Praxis: Mit offengelegtem Materialeinsatz, programmatischer Temporalität, Ortsbezug und Partizipationsangebot initiieren sie Situationen, in denen sich eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Wechselwirkung von sinnlichen und sozialen Faktoren im öffentlichen Raum einstellt.

+ Hintergrund: Mit dem Aufschwung digitaler Technologien wurde „Interaktivität“ zum zentralen Paradigma der Mensch-Maschine Kommunikation sowie des Interface Designs. Künstler/innen, die heutzutage reaktive Kunst gestalten, sehen sich, ähnlich wie vor zehn Jahren, einem breiten Publikum gegenüber, das kein elaboriertes Wissen um reaktive Kunst mitbringt, sondern vielmehr von einer „Plug-and-Play“ und „Click-by-Click“-Praxis geprägt und somit auf ein schnelles Erkennen und Verstehen gedrillt ist. Die Bandbreite reaktiver Systeme in der Kunst reicht von Arbeiten, in denen der/die Besucher/in unmittelbar und ohne vorherige bewusste Entscheidung in eine Handlung einbezogen wird, bis hin zu einem simplen „Push-the-Button“, bei der die gesteuerte (menschliche) Aktion eine direkte Handlung des Systems zur Folge hat. Letzteres bedeutet häufig, dass die Regeln des Systems leicht lesbar und nachzuvollziehen sind. Jedoch birgt die Einfachheit der so gestalteten Interaktivität auch Nachteile. Das schnelle Erfassen einer interaktiven Handlungsreihe in einem Kunstwerk führt häufig zu einem nur oberflächlichen Sich-Einlassen des/r Besucher/s/in, der/die das Verstehen der Funktionalität des Systems mit dem Verstehen des Kunstwerks gleichsetzt.

LichtRouten-Arbeit: Menschliches Mosaik
Die Großbildprojektion „Menschliches Mosaik” von Nuno Maya und Carole Purnelle setzt die portugiesische Tradition der Fassadengestaltung durch gekachelte Ornamente auf digitaler Ebene fort. Für die Musterbildung nutzen Ocubo filmische Aufnahmen aus dem öffentlichen Straßenverkehr. In der Reduktion auf Form und Farbe werden diese in einen Rapport eingefügt, der analog zu der Echtzeitbewegung permanent neue digitale Ornamente erzeugt. In der dynamischen Fassaden-Projektion verändert sich das Mosaik kontinuierlich und kaleidoskopisch mit dem Strom der Besucher/innen.

Weitere Informationen
VITA Carole Purnelle
VITA Nuno Maya

LichtRouten-Standort: Gerhardi Kunststofftechnik GmbH I Schlittenbacher Straße 2 / Loher Straße