Aufgrund der vielfältigen Leuchten- und Elektroindustrie in und um Lüdenscheid ist Kunstlicht ein Material, das die Lebens- und Arbeitszusammenhänge in Lüdenscheid in besonderer Weise prägt. Erste Ideen, mit Kunstlicht neue Stadtansichten und Stadterlebnisse zu ermöglichen, mündeten im Jahr 2000 in die Idee, Lüdenscheid als „Stadt des Lichts“ zu entwickeln. Mit den LichtRouten wurde Lüdenscheid in den letzten Jahren wiederholt zum temporären Lichtlabor, in dem eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Licht stattfindet.
Wesentliches Merkmal der kuratorischen Arbeit von Bettina Pelz und Tom Groll, die seit 2002 die künstlerische Leitung der LichtRouten innehaben, ist es, in dynamischen Begriffen statt in festen Regeln zu denken und dem künstlerischen Aspekt des Forschens und Entwickelns Zeit und Raum zu gewähren. So konnte ein Veranstaltungsformat realisiert werden, das den urbanen Raum als ein lebendiges Gefüge mit Gestaltungsspielräumen für Licht zeigt. Als eine internationale Ausstellung zu Kunst und Design mit Licht im öffentlichen Raum lenken die LichtRouten den Blick auf Kunstlicht als Material und Medium in Kunst und Design ebenso wie auch Architektur und Stadtraum.
Dabei ist der Begriff Licht“Routen“ wörtlich zu nehmen, denn die verschiedenen Kunst- und Designpositionen ziehen sich durch die Innenstadt. Ausgangspunkt für die Auswahl der gezeigten Arbeiten sind ortsspezifische Aspekte, d.h. physikalische Ressourcen, kulturelle Strukturen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die den Raum bestehender Arbeiten erweitern und/oder neue ermöglichen. Im besten Fall entsteht eine Intimität, in der sich Arbeit und Kontext synergetisch verbinden.
Jede Edition der LichtRouten nähert sich der Stadt aus einer anderen Perspektive: 2002 waren es „Fremdkörper“, d.h. schwarze Übersee-Container, die über die gesamte Innenstadt verteilt Kunst beherbergten. 2003 führten die LichtRouten an „Unorte“, d.h. stadträumliche Zusammenhänge, die sich der alltäglichen Wahrnehmung entzogen, darunter Sackgassen, Brachen, Leerstände oder ein Gefängnis. 2004 waren es „Lichtbiotope“, d.h. Inseln in der Stadt, die sich durch künstlerische oder gestalterische Interventionen veränderten, darunter das Rathaus, ein Bunker, ein Bus und ein Altenwohnheim. 2006 war das Thema „Architektur der Erinnerung“, d.h. öffentliche Orte des Erinnerns wurden auf ihre Relevanz befragt, darunter Denkmale, Friedhöfe und Kirchen. Durch die thematische Führung gelingt es auch in einer sehr übersichtlichen Stadt immer neue Herangehensweisen zu entwickeln und für Bürger/innen wie Besucher/innen neue Stadtansichten zu generieren.
Der Einsatz von Licht in Kunst und Design repräsentiert immer auch technisches Vermögen, es erfordert den Einsatz von Licht-, Vermessungs- und Steuerungstechnik. Ausgewählt werden Künstler/innen wie Designer/innen die tradierte ebenso wie neuester lichttechnische Verfahren nutzen, so dass jede Edition auch aus technischer Sicht variantenreich angelegt ist. Das Konzept, Arbeiten zu zeigen, die sich durch ihre künstlerische oder gestalterische Qualität, ihre technische Herangehensweise und (nicht: oder) die Integration in architektonische oder soziale Gefüge der Stadt auszeichnen, erwies sich dabei als eine der wesentlichen Wegweiser zum Erfolg.
Seit 2002 sind u.a. Tatsuro Bashi, Danica Dacić, Klaus Geldmacher, Daniel Hausig, Nan Hoover, Sania Iveković, Magdalena Jetelová, Kazuo Katase, Dieter Kiessling, Thomas Köner, Mischa Kuball, Christina Kubisch, Francesco Mariotti, Aurelia Mihai, Tania Ruiz Gutiérrez, Helmut Schweizer, Roman Signer, Stefan Sous, Jaan Toomik, Jan van Munster, Michel Verjux und Lichtdesigner/innen wie Gustavo Aviles, Uwe Belzner und Andrew Holmes, Emma Cogswell, Stefan Hofmann, Akari-Lisa Ischi, Uwe Knappscheider, Thomas Mika und Xavier de Richemont der Einladung der Kurator/inn/en Bettina Pelz und Tom Groll gefolgt.
Das Ausstellungsprogramm wird ergänzt durch Performances und Konzerte, Lesungen und Filmpräsentationen, Unterhaltungs- und Kreativprogramme. In der regelmäßigen Zusammenarbeit mit Hochschulen konnten verschiedene Projekte realisiert werden, z.B. 2004 „Lichtspielplätze“. Die Verankerung in den Fachkontexten werden durch begleitende Seminare und Symposien zu Licht- und Stadtplanungs-relevanten Fragestellungen durch Fachverbände (z.B. Lighting Urban Communities International LUCI, z.B. PLDA/ELDA+) und Industrie zu jeder Edition realisiert, z.B. 2005 „Licht im Parkraum“.
Zu den Erfolgen gehören die Vielzahl der Besucher/innen und die umfangreiche Medienpräsenz ebenso wie die vielfältige Zusammenarbeit von lokalen Institutionen, landesweiten Unterstützer/innen und Industrieunternehmen mit internationalem Know-how. In 2004 wurden die LichtRouten mit dem Innovationspreis der Wirtschaftsförderung “Sauerland Initiativ” ausgezeichnet, in 2006 mit dem Westfalensprung“ für beispielhaftes Stadtmarketing. Nach vier Ausgaben sind die „LichtRouten“ zum persönlichen Bezugspunkt vieler Bürger/innen geworden und zugleich zum Aushängeschild von Lüdenscheid als Stadt des Lichts.




